Maria Milisavljevic schildert auf eindringliche Weise, was es bedeutet, für die Gesellschaft „unsichtbar“ zu sein. Eine Frau sitzt mit einem Kaktus in einer Wohnung im Osten Berlins. In dieser Wohnung hat sie ihr ganzes Leben verbracht, den Fall der Mauer erlebt, ihre Tochter großgezogen. Diese ist bereits verstorben, und die Wiedervereinigung liegt vierunddreißig Jahre zurück, die Erinnerungen an all das sind zwischen den Wänden jedoch noch lebendig. Nun soll die Wohnung bald auch nur noch Erinnerung sein: Ein Investor hat das Gebäude gekauft, die Frau muss ausziehen. Eine neue Bleibe gibt es nicht, es droht die Wohnungs-, wenn nicht sogar Obdachlosigkeit. Da steht auf einmal eine junge Frau vor ihrer Tür, die für eine reibungslose Räumung sorgen soll. Bei einem Glas Wein kommen sich die beide Frauen näher, und schnell hallen zwischen den Wänden Stimmen aus der Vergangenheit wieder, werden Schicksale anderer Wohnungs- und Obdachlosen hörbar, entspinnen sich aber auch hoffnungsvolle Träume und Möglichkeiten. Mit schimmernder Poesie und großer Empathie für ihre Figuren gibt die Autorin den Menschen eine Stimme, die unter den oft problematischen Wohnverhältnissen leiden, beschreibt ihren emotionalen Verlust und ihren Kampf um Ansehen und Würde.
Uraufführung: 24. Mai 2025 – Staatstheater Meiningen, Regie: Anna Stiepani
Rechte bei S. Fischer Theater
Es ist die scheinbar bekannte Geschichte der Nibelungen, angefüllt mit dem alten Mythos des Nibelungenliedes und der nordischen Lieder-Edda. Doch die alten Gewissheiten und Heldengeschichten sind längst brüchig geworden.
Nicht nur Brynhild, die Walküre, ist gezwungen, sich von den alten Erwartungen und den brutalen Intrigen zu befreien. Auch Sigurd, der Drachentöter, passt nicht mehr in das bekannte Heldenklischee. Wer bestimmt, wer wir sind? Das Schicksal, die Götter, die Familie – oder wir selbst? Gemeinsam schreiben Brynhild und Sigurd ihre Geschichte neu: als große Liebesgeschichte, als Familiendrama, als Tragödie, als Krimi. Und als ein wütendes Aufbegehren dagegen, dass andere darüber entscheiden, wer sie zu sein haben. Mit allen blutigen Konsequenzen.
Umweltzerstörung, Ausbeutung, Kinderarmut, Sexismus, Krieg, Vertreibung, Rassismus, Leistungsdruck – vier Jugendliche machen den Realitätscheck. Das Ergebnis: Wir wollen diese Welt nicht mehr, wir haben sie uns so nicht ausgesucht! Gemeinsam beschließen sie, etwas zu tun. Doch wie kommt man an gegen eine Gesellschaft und politische Elite, die sich die Fragen und Meinungen der jungen Generation auf Pflichtterminen zwar lächelnd anhört, letztendlich aber übergeht? Da braucht es ein Zeichen, ein großes Zeichen! Also begeben sich die vier auf eine lebensgefährliche Mission – und werden am Ende Teil eines zynischen Spiels, in dem es um die letzte aller Fragen geht: How to stay alive?
Junges Theater